9.2a Bohr'sches Atommodell und Wasserstoffspektrum
Quelle: Mappe S. 95 · ➕ Themenpool
§9.2 sagt dass es diskrete Energieniveaus gibt; Niels Bohr lieferte 1913 das erste Modell, das diese Niveaus erstmals berechenbar machte — am einfachsten Atom, dem Wasserstoffatom (1 Proton, 1 Elektron).
Das Bohr'sche Atommodell (1913)
Bohr verband das planetenartige Atombild (Elektron umkreist den Kern) mit der Quantelung (§9.1) durch zwei Postulate:
- Das Elektron bewegt sich nur auf bestimmten, diskreten Bahnen (Schalen) — nicht auf beliebigen. Auf diesen erlaubten Bahnen strahlt es (entgegen der klassischen Elektrodynamik) keine Energie ab, der Zustand ist stabil (stationär).
- Energie wird nur beim Sprung zwischen zwei Bahnen ausgetauscht — als ein Photon (
, genau die Emission/Absorption aus §9.2). Solche Übergänge heißen Quantensprünge.
Jede Bahn trägt eine ganze Zahl, die Hauptquantenzahl
✎ Warum „Schalen"? Die Bahnen liegen nicht gleichmäßig, sondern rücken nach außen immer dichter zusammen; ab einem bestimmten
Die Rydberg-Formel — Wellenlängen der Wasserstofflinien
Johannes Rydberg fand (zunächst rein empirisch, vor Bohr) eine Formel, die alle Spektrallinien des Wasserstoffs liefert; Bohrs Modell begründete sie dann theoretisch:
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Wellenlänge der Spektrallinie | m | |
| Rydberg-Konstante | ||
| Hauptquantenzahl der unteren Bahn (Zielniveau) | — | |
| Hauptquantenzahl der oberen Bahn (Startniveau) | — |
✎ Bei Emission fällt das Elektron von
Die fünf Serien (Linienserien)
Jedes feste Zielniveau
| Serie | Spektralbereich | Bedeutung | |
|---|---|---|---|
| Lyman | 1 | UV (ultraviolett) | Sprünge auf den Grundzustand, energiereich |
| Balmer | 2 | sichtbar | die wichtigste Serie — als einzige im sichtbaren Licht |
| Paschen | 3 | IR (infrarot) | energieärmer |
| Brackett | 4 | IR (ferner) | — |
| Pfund | 5 | IR (ferner) | — |
Nur die Balmer-Serie (
Rechenbeispiel: die rote -Linie (Balmer)
Die hellste Balmer-Linie ist der Sprung von
— rotes Licht ✓
Die
✎ Wie genau ist Bohrs Modell? Es ist halbklassisch (eine klassische Umlaufbahn, künstlich mit einer Quantenbedingung versehen) und beschreibt streng nur das Wasserstoffatom (ein Elektron). Es erklärt nicht Feinstruktur, Linienintensitäten oder Mehrelektronenatome und wurde später durch die Quantenmechanik (Schrödinger, §9.3a) ersetzt — dort gibt es keine Bahnen mehr, sondern Orbitale (Aufenthaltswahrscheinlichkeiten). Bemerkenswert ist aber: Bohrs Modell berechnet die Wasserstofflinien korrekt — es ist anschaulich richtig genug, um die Rydberg-Formel zu begründen, auch wenn das zugrunde liegende Bild (kreisende Teilchen) falsch ist.